Gottesdienst am 25. Oktober 2020 (20. Sonntag nach Trinitatis)

Herzlich willkommen zu unserem Gottesdienst heute Morgen.

Das Losungswort
für den heutigen Sonntag und die kommende Woche,
liebe Gemeinde
, heißt:
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert,
nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor
deinem Gott.“

Micha 6,8

Es ist alles zur TAUFE vorbereitet. Wir sehen es.
Sie findet immer in unserem Sonntagsgottesdienst als Teil der
gottesdienstlichen Gemeinschaft statt.
Durch die corona-bedingten Hygienebestimmungen dürfen wir zur Zeit
nicht…
Gleich im Anschluss findet deshalb ein separater Taufgottesdienst für die
kleine Marlene statt.
Für den heutigen Sonntag ist einer der vorgeschlagenen Predigttexte das
Kinder-evangelium beim Evangelisten Markus.
Wir kennen es: „Lasset die Kindlein zu mir kommen…“
Hier stellt Jesus die Kinder, ihre Neugierde und das bedingungslose, tiefe
Vertrauen auf die Nähe Gottes und seine Güte ins Zentrum.
Er sagt den Erwachsenen damals, und uns heute, etwas Ungeheuerliches:
nämlich, dass wir von den Kleinen lernen können und nicht umgekehrt

Gottesdienst und Predigt wollen von der dankbaren Annahme und
Weitergabe des Gottes-Segens erzählen…

Eingangspsalm 103

Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Lobe den Herrn meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir alle deine Sünden vergibt
und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

der deinen Mund fröhlich macht,
und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht
allen, die Unrecht leiden.

Er hat seine Wege Mose wissen lassen,
die Kinder Israel sein Tun.

Amen.


Predigttext: Markus 10, 13-16. Lutherübersetzung
(13) Und sie brachten Kinder zu Jesus, dass er sie anrührte.
Die Jünger aber fuhren sie an.
(14) Da es Jesus sah, ward er unwillig und sprach zu ihnen: „Lasset die
Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das
Reich Gottes.
(15) Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie
ein Kind, der wird nicht hineinkommen“.
(16) Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Predigt zu Markus 10, 13-16; das Kinder-Evangelium.
Der Friede Gottes sei mit uns allen, Amen.
Gäb` es kein Corona, liebe Gemeinde,
hätten wir heute schon unsere Taufe erledigt.
Der Himmel hätte Marlene Volz in seine Arme geschlossen,
und sich um sie gekümmert.
Nun muss das in einem separaten Taufgottesdienst gleich im Anschluss
passieren.
Bleibt uns jetzt hier noch etwas zu tun? – Ja, vielleicht schon.
Bevor wir alles Weitere nun dem lieben Gott überlassen und uns
entspannt zurücklehnen, sollten wir hören, was der Himmel von uns
erwartet.
Und heute spricht Er mit uns aus der Geschichte der Kindersegnung,
„Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher
ist das Reich Gottes.
(15) Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein
Kind, der wird nicht hineinkommen“.
(16) Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Drei Dinge erwartet der Himmel von uns, über die Kindtaufe hinaus:
Das Erste: Lasst die Kinder zu mir kommen, nach einer Taufe.
Sperrt sie nicht geistlich weg, sondern nehmt die Kinder an die Hand.
Helft ihnen zu erleben, was Christentum ist.
Erzählt, worauf Christen vertrauen, und zeigt, wie Christen leben,
und was unsere Werte sind. Lasst die Kinder zu mir kommen!
Gebt Kindern eine Chance, diesen Christus zu treffen.
Und lasst es noch in der Kinderzeit geschehen, denn:
Wer Gottes Reich nicht annimmt wie ein Kind,
wird keinesfalls in es hineinkommen
. Das ist das erste Gebot.

Das zweite Gebot: Hindert sie nicht! Wehret ihnen nicht!
Macht Kindern das Gottvertrauen nicht kaputt.
Wer tut denn so was möchte man sich spontan verteidigen.
Die Kinder sollen selbst entscheiden…!
Übertragen wir nicht unsere Erwachsenen-Skepsis auf Kinder.
Speisen wir sie nicht ab mit Ersatzreligionen.
Hinterlassen wir ihnen nicht nur unsere Enttäuschungen und vererben
ihnen nicht unsere Grenzen: “Ich glaube an nichts.
Was ich nicht kenne, braucht mein Kind auch nicht“. --

Steht ihnen also nicht im Weg und hindert sie nicht!
lautet das zweite Gebot nach der Taufe.
Und wie das erste versteht es sich auch von selbst.

Den dritten Auftrag-nach-der-Taufe hat der Christus in eine Geste gelegt.
Er macht vor, was wir ihm nach-tun sollen:
Und Jesus schloss die Kinder in die Arme und segnete sie, wobei er ihnen die Hände auflegte. –
Ein Kind auf den Arm nehmen, mit der Hand über den Kopf streichen –
das machen wir auch, klar, aber „segnen“?
Pfarrer machen so was in der Kirche.
Und früher, in der Bibel mag das üblich gewesen sein...
Aber heute ist das fremd, irgendwie künstlich, zudringlich fast.
Und Jesus schloss sie in die Arme und segnete sie, wobei er die Hände
auf sie legte.

Liebe Gemeinde,
lassen wir uns von der Fremdartigkeit der Geste nicht verschrecken.
Aber dazu müssen wir wissen, um was es beim Segnen geht.

Segnen – was ist das eigentlich?
Was geschieht da? –
Eindringlich beschrieben ist es in der Geschichte von Isaak,
Jakob und Esau    
(1.Mose 27:18-29).
Der altersschwache, fast blinde Vater Isaak wird von Jakob,
dem eigentlich jüngeren Sohn, ausgetrickst.
Jakob hat sich als sein Bruder Esau verkleidet, um sich den Erstgeburts-
Segen zu erschleichen.
Er kocht dem Vater ein gehalt-volles Essen, damit der zu Kräften kommt.
Denn segnen kostet Kraft.
Gerade ein Erstgeburts-Segen ist ein Aderlass.
Es überträgt dem Kind die Verantwortung über die ganze Familie,
überträgt ihm das ganze Vermögen, und alle Pflichten,
das geistliche Priester-Amt in der Familie, und alle Beziehungen zu
Menschen.
Irgendwie überträgt der Alte all seine Power auf sein Kind.
So dass er an-schließend völlig ausgepumpt dahockt und keinen zweiten
Segen dieses Kalibers mehr hat, als kurz darauf der zweite Sohn kommt
und gesegnet werden will. Beim Segnen wandert etwas von einem zum
andern.
Da überträgt sich etwas, das nicht sofort offenkundig werden muss,
sondern Zeit braucht, seine Wirkung zu entfalten.   
(vgl. Jesaja 65 Vers 8).

Eindrucksvoll – und befremdlich zugleich… --
´Bin ich Isaak?` werden Sie vielleicht sagen. Ich könnte so was nicht!
Segnen – das ist etwas, was man Gott überlassen sollte!
Gott segnet Menschen. Der Größere segnet den Geringeren.
„Der HERR segne dich und behüte dich…“ so enden unsere
Gottesdienste. Gott segnet Menschen, so macht es Sinn.
Sie haben Recht, Sinn macht das schon, nur
- nach der Bibel ist Gott eben keines-wegs der Einzige, der segnet.
Es ist kaum zu glauben, aber über tausend Mal steht in der Bibel das
Umgekehrte:
Menschen segnen Gott! Menschen geben Gott ihren Segen.
Wir haben es eingangs selbst gesagt, mit dem Eingangspsalm 103:
„Lobe den HERRN, meine Seele und was in mir ist seinen heiligen
Namen“.
Wo in der Luther-Bibel loben steht, steht in der Hebräischen Bibel
segnen.
„Segne den HERRN, meine Seele, … segne den HERRN,
und vergiss nicht, was Er dir Gutes getan hat“.
Wenn Menschen Gott segnen, dann sind sie nicht größer als der
Allmächtige.
Ihr Segnen ist eine Geste der Ehrerbietung, ein sich-Verneigen vor dem
Herrn allen Lebens.
Hochachtung wechselt von hier nach dort und macht Beziehung.
Menschen segnen Gott!
Wir kleine Erdenwesen haben dem Himmel etwas zu überreichen.
Wir betreten eine Brücke und geben Signal, dass wir geistes-gegenwärtig
sind.
Gott segnet Menschen. Menschen segnen Gott.
Und dann gibt es die dritte Ebene, und um die geht es uns heute, am
Tauftag der kleinen Marlene. Menschen segnen Menschen.
Und Jesus schloss die Kinder in die Arme und segnete sie, wobei er die
Hände auf sie legte.


Liebe Mitchristen,
haben Sie mal jemandem „Hals- und Bein-bruch“ gewünscht –
auf dem Weg zu seinem Vorstellungsgespräch etwa, oder vor dem
ultimativen Banji-Sprung von der Brücke?
„Hals- und Bein-bruch“, wird-schon-gut-gehen, ist eine Schulter-
klopfende Floskel –
eigentlich absurd, wenn man drüber nachdenkt.
Wie kann man jemandem wünschen, dass er sich den Hals und das Bein
brechen soll!
Und wenn sich einer den Hals bricht, warum dann noch das Bein, merkt
er doch gar nicht mehr!
Tatsächlich, aber hat der Spruch einen religiösen Hintergrund:
Hals- und Bein-bruch ist eine Segnung, in jiddischer Sprache.
Hals- und Bein-bruch ist die Ver-ball-hornung
von „Chalúz un Bróche“,
Chalúz bedeutet Schutz und Bróche ist Segen.
Hals- und Bein-bruch, Schutz und Segen - eine alte Segens-formel.
Man sprach sie beim Abschied an der Tür.
Menschen segnen Menschen, und hüllen sie in den Schutz ihrer Fürbitte.
Auch der englische Abschiedsgruß „Good Bye“
ist die Rest-Form einer alten Segnung:
Good Bye war die Kurzform von God-be-with-you,
Gott-sei-mit-dir, auf Bayrisch Führ-ti-Gott, oder kurz: Führ-ti. --
Der Zauber des Segens besteht darin, dass er – wenn er ernst gemeint ist,
manch-mal erstaunliche Folgen hat.

Liebe Gemeinde,
Segen ist etwas, das wie eine Saat aufgeht, und sich vervielfältigt und
verströmt und Kreise zieht.…
sie brachten Kinder zu Jesus, dass er sie anrührte.
Und er umarmte sie und segnete sie, indem er ihnen die Hände
auflegte

Ich bin mir sicher, es gibt Menschen, die ein Segen sind.
Menschen, die etwas Besonderes an sich haben, die einfach dadurch,
dass es sie gibt, ihre Umgebung verwandeln und Kräfte verströmen,
ohne sich dessen bewusst zu sein. –
Mal sind`s die Alten, die in der Hektik des Alltags für Ruhe und
Besonnenheit sorgen.
Mal sind`s Jüngere, die eine natürliche Autorität in sich tragen,
die Rückgrat haben und Linie und sich nicht einfach gehen lassen,
auch in diesen Tagen…
Es gibt sie…die Menschen, die gesegnet sind und ein Segen sind.

Und damit stehen wir bei unserer Eingangs-frage:
Was haben wir unserem Täufling von nachher zu geben?
Womit können auch wir, die kleine Marlene segnen?

Wir können ihr ein altes Erbe erhalten und wie Issak weiter-reichen.
Wir können ihr eine Kirche vererben, die funktioniert und in Schuss ist
und die sich fortentwickelt und in der Christentum zuhause sein kann.

Wir können sie segnen, indem wir sie einweihen in unseren Glauben,
indem wir von Gott erzählen, damit sie wissen, dass Menschen nicht
selber Gott spielen müssen, sondern menschlich sein dürfen und
dass es mehr im Leben gibt als man verdient.
Wir können sie segnen, indem wir ihr christliche Werte weitergeben.
Wir können den Boden dafür bereiten und sie segnen mit Benehmen,
Respekt, Sensibilität für die Seele des Nächsten.
Wir segnen, wir – das sind wirklich wir, neben Eltern, Großeltern,
Patinnen und Paten, Freunde und Lehrern;
Wir, das sind die Menschen, die eine Gemeinde tragen.
Wir, das bin ich, bevor ich mich umschaue nach jemandem, der
zuständiger sein könnte.
Segnen soll jeder, der selber etwas bekommen hat.
Segnen soll jeder, der selber gesegnet ist.
Liebe Gemeinde,
wer von uns kennt denn nicht auch nur einen Menschen,
der nichts hat und nichts ist und nichts weiß?! Also:
Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht;
denn solcher ist das Reich Gottes…
(16)
Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie
.
Ich wünsche einem jeden von uns und dieser ganzen Gemeinde
Hals- und Beinbruch, und „God-be-with-you, Good Bye,
Gott-sei-mit-dir, Führti.“
Amen.

Segensgebet
Ich wünsche dir nicht,
dass du ein Mensch seist,
recht-winklig an Leib und Seele,
glatt und senkrecht wie eine Pappel
oder elegant wie eine Zypresse.

Aber das wünsche ich dir,
dass du mit allem,
was krumm an dir ist,
an einem guten Platz leben darfst
und im Licht des Himmels,

dass auch,
was nicht gedeihen konnte, gelten darf
und auch das Knorrige und das Unfertige
an dir und deinem Werk
in der Gnade Gottes Schutz findet.
Jörg Zink

Gottesdienst am 18.10.2020 (19. Sonntag nach Trinitatis)

Predigttext: 5. Mose 30, 11 – (14) 19

Liebe Gemeinde,

das wandernde Gottesvolk steht an der Grenze. Dahin führt uns das ganze 5. Buch Mose. Da sehen wir ein Volk an der Schwelle, Israel am Jordan. Auf der Grenze zwischen Gestern und Morgen. Hinter sich die Sklaverei in Ägypten und die Wüstenwanderung und vor sich das verheißene Land, das Land, in dem „Milch und Honig fließen“.

Es ist auch ein Generationenwechsel: die Jungen haben das Neue, das Land der Zukunft vor sich. Sie haben den Aufbruch aus den alten Abhängigkeiten nicht miterlebt. Und die Alten wissen: wir werden von dem, was vor uns liegt, allenfalls noch die Anfänge erleben, die Vorboten der anderen Zeit.

Mose selbst, so erzählt es das 5. Buch Mose, ist auf der Schwelle. Es sind die letzten Tage seines Lebens. 40 Jahre lang hat er das Volk durch die Wüste geführt, doch das verheißene Land wird er nicht betreten. Nur einen vorausschauenden Blick darf er tun. Und so fasst er hier auf der Grenze die ganze Thora, die gute Weisung zum Leben, noch einmal in einer einzigen großen Rede zusammen.

Liebe Gemeinde,

haben viele von uns nicht auch den Eindruck, dass wir heute an einer solchen Grenze, einer solchen Zeiten-wende stehen? Einer Zeit tiefgreifender Veränderungen - auf einer Grenze zwischen Vergangenem und Unvorhersehbarem und hat es die nicht immer wieder gegeben?

Ich kann mich noch gut an die Worte meiner Eltern erinnern, die zu uns Kindern gesagt haben: „Ihr sollt es besser haben als wir: ihr sollt keine Flucht, keinen Hunger erleben. Für eine gute Schulbildung, ein gutes Auskommen, wollen wir sorgen und in Frieden sollt ihr leben.“

Auch wir wünschen uns das heute für unsere Kinder und Enkelkinder und trotzdem erleben wir auf den „Fridays for future“ Demonstrationen ihre Sorgen und Ängste im Blick auf Klimaveränderungen, die in unvorher-sehbarem Maße ihre Zukunft bestimmen werden. Leben auf der Grenze. Zwischen den Zeiten, zwischen gestern und morgen.

Zeitenwende, Leben auf der Grenze. Ein weiteres Beispiel, das ich in meinem Arbeitsalttag an der Kinderklinik immer mal wieder erlebe. Früher konnten junge Eltern noch sagen: Gott hat uns ein gesundes Kind geschenkt. Schon heute, aber in der Zukunft noch viel mehr, werden werdende Eltern vor die Entscheidung gestellt, ob dieser oder jener Test gemacht bzw. ob das Leben ihres Kindes lebenswert ist oder nicht. -

Zeitenwende, Leben auf der Grenze. Ein letztes Beispiel: Früher war die Welt in Blöcke geteilt; heute und morgen leben wir in einer globalen Welt. Die großen Menschheitsprobleme der Zukunft werden nicht mehr in nationalen Grenzen, sondern nur noch global zu lösen sein, denn die digitale Revolution – wir erleben sie auch in der Kirche, spätestens sein Corona - findet in unserer Lebenszeit statt.

Umbruchszeiten sind schwierige Zeiten. Es sind Orientierungszeiten. Altes vergeht. Neues ist erst schemenhaft in Sicht, aber gilt das nicht für jede Zeit? Und ist nicht jedes Heute ein Augenblick, indem wir uns fragen: Wo kommen wir her? Worauf gehen wir zu? Was trägt uns?

Die Zeit, in die uns das 5. Buch Mose führt, war jedenfalls ebenso eine solche Zeit. Das Gottesvolk stand an der Grenze, auf der Schwelle in ein neues Land und eine andere Zeit.

In diese Situation hinein spricht der heutige Predigttext, und das zentrale Wort in Moses Rede ist „heute“: ‚Das Gebot, das ich dir heute gebe, ist nicht zu schwer für euch …  Ich lege dir heute Leben und das Gute vor, den Tod und das Böse … Ich habe euch heute Segen und Fluch, Leben und Tod vor Augen gestellt. Wählt das Leben, damit ihr am Leben bleibt, ihr und eure Nachkommen! ... Gottes Wort ist euch ganz nahe. Es ist auf euren Lippen und in eurem Herzen. Und darum sagt Mose dem Volk: könnt ihr auch wählen zwischen Glück und Unglück, zwischen Leben und Tod, zwischen Segen und Fluch. Wählt klug! Wählt das Leben!‘ -

Ja, wenn das doch so einfach wäre, höre ich schon so manchen sagen. Was können wir schon tun? Wie können wir denn wissen, ob unsere Entscheidungen heute zu mehr Leben führt?

Das liebe Gemeinde, so würde Mose Ihnen wohl antworten, das sind alles Ausreden: Wir sind gefragt, heute! Wir können wählen, heute! – Wahrscheinlich können wir die Welt nicht retten. Aber weil wir von Gott angesprochen sind, heute, und weil seine Anrede, seine Weisung unserem Herzen nahe sind, können wir wissen und entscheiden, was gut ist, was dem Leben dient und was zum Segen werden kann.

Und für mich ist auch klar: Wir können irren, wir können Fehler machen, wir können schuldig werden. „Denn der Mensch heißt Mensch, / Weil er irrt und weil er kämpft / Und weil er hofft und liebt / Weil er mitfühlt und vergibt / Und weil er lacht / Und weil er lebt.“ So singt H. Grönemeyer in seinem so wunderbaren Lied „Mensch“, indem er - eine Zeitenwende erlebend - den Tod seiner ersten Frau verarbeitet.

Weil er lebt und weil er irrt, weil er mitfühlt und vergibt – und weil ihm vergeben wird!, füge ich hinzu. Denn das sagt uns die Schrift auch: Wenn unser Herz uns verurteilt, wenn unser Gewissen uns anklagt, weil unsere Liebe doch immer Stückwerk bleibt, dürfen wir wissen: Gott ist größer als unser Herz, er kennt unser Bemühen und unsere Grenzen.

 

Und so beten wir, wie es in einem zum Kirchentag 2015 herausgekommen neuen geistlichen Lied, heißt:

 

„Klüger, weiser, leichter, reicher

machst du mich, willst du mich, du mein Gott.

Was ist gut, was ist gerecht,
was ist lebendig und echt?
Lass es mich versteh‘n, was wirklich zählt.
Gib mir dein Wort für mein Herz,
gib mir ein Herz für dein Wort,
das mich trifft und trägt auf meinem Weg.

Du bist, noch ehe ich bin,
du wirst sein, wenn ich schon war.
Halte lebenslang zu mir, mein Gott.
Öffne mein Herz für dein Wort.
Öffne dein Wort für mein Herz,
das mich reifen lässt und leben lehrt“.

Amen.

Segensgebet aus September 2020

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände
Meine Zeit
Mein Fühlen Denken
Hören Sagen
Mein Triumphieren
und Verzagen.
Das Elend und die Zärtlichkeit

Was macht,
dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich.
Ich sing und tanze
her und hin
vom Kindbett bis zur Leich

Was macht,
dass ich so furcht-los bin
an vielen dunklen Tagen.
Es kommt ein Geist durch meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen 

Was macht,
dass ich so un-be-schwert
und mich kein Trüb-sal hält.
Weil mich mein Gott
das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.

(Hanns Dieter Hüsch)

Amen.